Dok Leipzig (ii): Erinnerung an eine Landschaft – Die Lausitz-Trilogie

Dienstag, 6. November 2007

1987 bis 1990 entstanden, thematisiert die Lausitz-Trilogie die Zerstörung der sorbischen Dorfkultur durch den Braunkohleabbau. Die Sorben (oder Wenden) in der Ober- und der Niederlausitz sind eine slawische Minderheit mit einer eigenen Sprache. Obwohl die DDR mächtig stolz auf sie war, spielte ihre Kultur eher auf Vorzeigefesttagen eine Rolle.

Peter Rocha, der selbst aus der Gegend stammt, hat dieser Kultur, die zur Wendezeit schon sehr in der Auflösung begriffen war, ein Denkmal gesetzt und vor der Zerstörung von Kultur und Natur durch den sinnlosen Braunkohleabbau gewarnt. Interessant ist, daß die Braunkohle für die DDR so wichtig war, daß er noch im März 1990 Schwierigkeiten mit dem dritten Teil hatte. In der Nachwendezeit ging die Lausitz-Trilogie unter, so wird sie zum Beispiel erst jetzt das erstemal in der Lausitz selbst gezeigt.

Obwohl die Filme in ihrer ganz eigenen Ästhetik selbsttragend sind und eines Aktualitätsbezuges nicht bedürfen, sind sie leider immer noch von aktueller Bedeutung – Vattenfall baggert weiterhin die Lausitz ab.

Zur Dokfilmwoche ist die umfangreiche Doppel-DVD „Spurensuche“ mit Filmen aus der DDR für 25 € erschienen. Die Lausitz-Trilogie ist mit drauf.

Hochwaldmärchen (Peter Rocha, DDR 1987, 8 min.): In diesem Film wird von einer Kinderstimme das Hochwaldmärchen des sorbischen Schriftstellers Jurij Brězan erzählt. Dazu sehen wir eine Fahrt durch den Spreewald, dort wo er Hochwald ist. Am Ende gibt es eigentümliche Farbeffekte. Das Märchen handelt von der Zerstörung der Welt durch den Menschen, ist aber eben ein Märchen und hat es so durch die DDR-Zensur geschafft.

Leben am Fließ (Peter Rocha, DDR 1987/88, 30 min.): Wir begleiten eine sorbische Familie, die noch sehr ursprünglich am Wasser und mit der Natur lebt. Einige Leute arbeiten aber schon in der Stadt. Die Alte erzählt vom Ende ihrer Kultur.

Die Schmerzen der Lausitz (Peter Rocha, DDR 1989/90, 60 min.): Genau das zeigt der Film: Die Schmerzen der Lausitz. Jurij Koch beim Sinnieren über die Zerstörung, einen gewitzt-verrückten Findlingssammler, Tagebau-Arbeiter, Gundermann, dem man gern beim Erzählen zuhört (dafür singt er nur so mittel) und verlorene umgesiedelte Sorben beim Volksfest im zugigen Cottbusser Neubaugebiet. Dörfer, deren Einwohner in der Wendezeit Hoffnung verbreiten, daß der Raubbau zu stoppen ist.

Hauptdarsteller ist aber die geschundene Landschaft, deren Schmerzen in endlosen Hubschrauberfahrten über den Tagebauen offengelegt werden. Dazu sehr passend eine Toncollage aus Bergmaschinengeräuschen, wie man sie in den Braunkohlegebieten nachts oft aus der Ferne hört, wenn man nicht schlafen kann. Und Gundis Geklampfe, aber das hatten wir oben schon.

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