Kreuzberg, Erster Mai 2015

Freitag, 1. Mai 2015

„Saisonbeginn 30.4., 7 Uhr” hat jemand stolz mit Kreide auf die Tafel vor dem Prinzenbad geschrieben.

“Trinkt keinen Alkohol, ißt vegan und glutenfrei. Zum Glück hat er einen Freund, sonst würde ich mir Sorgen machen.” Der Wirt im Prinzenbad-Imbiß spricht kreuzbergisch, also Hochdeutsch, aus dem das sich abgewöhnte Berlinisch noch ein wenig an den Wortendungen herausklingt. Im Unterschied zu Mittisch, das bemüht berlinert und möglichst viele Ost-Ausdrücke einflicht.

Das Freibad-Publikum vor allem Rentner und langhaarige Mitt-Fünfziger.

Im Unterschied zu den Ost-Berliner Bädern grüßt man sich hier gegenseitig sehr freundlich. Alle wirken sehr einladend. Auch das Personal ist urst nett. Ich werde von zehn Leuten darauf hingewiesen, daß das kalte Becken nur 15º hat. Von denen, die dort aussteigen mit stolzem Unterton. Ich versuche es dennoch, nur um schnell ins wärmere Becken zu wechseln.

Für die Schlüssel der Wertsachenschließfächer muß man 10€ Pfand hinterlegen. Eine Frau meint, das sei ein wenig hinterwäldlerisch, woanders könne man diese ja mit der Eintrittskarte öffnen und schließen. Ich kenne kein Berliner Bad, in dem das geht und frage überrascht, wo das denn so sei. Sie sagt „Kopenhagen, Stockholm”. Ach so. Das hier ist doch aber Berlin.

Auf dem Rückweg die übliche Polizeiansammlung am Kottbusser Tor. Kreuzberg wirkt aber viel friedlicher als noch vor wenigen Jahren am Ersten Mai. Viel gefährlicher als Polizei- oder Demonstrantengewalt sind sowieso die hirnrissigen Fahrradwege am Kottbusser Tor.

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