Links von Freitag, 20. November 2009
Sonnabend, 21. November 2009Gesammelte Links von Freitag, 20. November 2009:
- 15 Google Interview Questions That Will Make You Feel Stupid (GOOG)
Netter Zeitvertreib, via Imaginary Animals
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Netter Zeitvertreib, via Imaginary Animals
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So, als dächten nicht Minister und Bundespolitiker aller Parteien und Landespolitiker aller Parteien und die meisten Rektoren, auf jeden Fall aber die Hochschulrektorenkonferenz und der Wissenschaftsrat und das „Centrum für Hochschulentwicklung“ und die Bologna-Beauftragten vor Ort und die Akkreditierungsagenturen alle genau dasselbe. Als hätten sie nicht alle dieselben Reformgesänge angestimmt. Als redeten sie nicht alle vom unumkehrbaren Schicksal, wenn sie „Bologna“ meinen. Als hätten sie nicht alle kaum Anschauung von dem, was an Universitäten dort, wo diese ihr „Kerngeschäft“, die Lehre nämlich, betreiben, vor sich geht. Als interessierte sich irgendjemand aus dem Reformestablishment dafür, was aus den Studenten werden soll. Und weil die das jetzt ahnen, genau darum protestieren die Studenten.
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Die letzten Monate der Stasi in Original-Tonbändern
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Das Gasometer-Gelände in Schöneberg kommt vor die Hunde. Bauherr ist Peter Müller, der auch die ominöse Stiftung Denkmalschutz gegründet hat. Der Gasometer selbst wird durch Leuchtreklame verschandelt.
Noch bis morgen (Sonntag) abend kann man in der Arte-Mediathek Thomas Heises diesjährigen Berlinale-Beitrag „Material“ ansehen, seine bemerkenswerte Materialsammlung aus der Wendezeit und danach.
[…]
Robert Enkes Schicksal ist allerdings nicht charakteristisch: Er war ein junger, leistungsstarker, beruflich und im Leben bei allen Schicksalsschlägen als erfolgreich angesehener Mensch. Es gibt zwar auch viele junge Menschen mit Depressionen. Die meisten Menschen mit Depressionen, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen und es viel zu oft auch erfolgreich tun, sind aber alt. Sie sehen für sich keine Perspektive mehr, weil sie das Altersheim fürchten, weil sie keine Alternativen kennen, weil sie sich nicht Wert geschätzt fühlen. Viele dieser Menschen reden nicht über ihre Depressionen -ihre Depressionen werden auch nur in sehr geringem Umfang erkannt, weil ihr Todeswunsch der Außenwelt nachvollziehbar erscheint: „So würde ich auch nicht leben wollen.“
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Das Springer-Wurstblatt „Welt kompakt“ stellt auf großen Plakaten in Berlin seine Grammatikschwächen aus („mit Berlin Seiten“).
Der scheinheiligste Text zum Tode von Robert Enke findet sich bei Spreeblick (ich hätte gern dort kommentiert, das geht aber nicht mehr). Da wird die alte Leier vom Tabubruch Suizid angestimmt und über andere Medien hergezogen, aber die eigentliche Ursache – nämlich Depressionen – paßt nicht ins Bild vom selbstbestimmten Suizid, das Frédéric Valin aufbaut. Und so wird sie ignoriert. Die Kommentare, die anmerken, daß dieses Bild in den allermeisten Fällen nicht stimmt, sondern die meisten Suizide auf Depressionen zurückgehen, werden ignoriert oder abgebügelt.
Das ist eine sehr problematische Fehlsicht, die nicht nur Spreeblick betrifft, sondern auch viele Befürworter von sogenannter Sterbehilfe. Andererseits paßt diese Fehlsicht leider auch in diese Gesellschaft, in der Krankheiten wie Depressionen, die zu völliger Antriebslosigkeit führen können, dem Bild vom leistungsbereiten und allzeit selbstbestimmten Menschen widersprechen.
Fred schreibt, nachdem die Kommentare geschlossen wurden:
Ich habe keinen einzigen Beweis für die Depressionen Enkes gelesen. Er hat sich umgebracht, also muss er krank gewesen sein, das ist der Zirkelschluss. Und die oben beschriebene Pathologisierung des Selbstmordes.
Dabei übersieht er, daß Enkes Arzt sagt, daß er seit Jahren deswegen in psychiatrischer Behandlung war (wenn das kein Beleg ist, was dann?) Freds Irrtum ist die Annahme einer Pathologisierung des Suizids. Es gibt nämlich in der Realität so gut wie keine klassischen Bilanzsuizide.
Was Fred hier fortführt, ist die bedauerliche Tabuisierung einer Krankheit.
Neusprech: In der Ausstellung „Fremde? Bilder von den Anderen in Deutschland und Frankreich seit 1871“ im DHM wurde – nach kritischer Nachfrage durch den Kulturstaatsminister Bernd Neumann – eine Tafel mit dem ursprünglichen Text
„Während innerhalb Europas die Grenzen verschwinden, schottet sich die EU zunehmend nach außen ab. Die Festung Europa soll Flüchtlingen verschlossen bleiben“
ersetzt durch
„Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert staatlicherseits die Integration von Zuwanderern in Deutschland“.
Das ist ein bißchen wie früher: bis zu Honeckers Lapsus durfte offiziell auch nicht von einer Mauer gesprochen werden.
Die ’Ndrangheta (über die es letztes Jahr das bestürzende Buch und die sehr gelungene Verfilmung „Gomorrha“ (Roberto Saviano) gab) hat über 30 Schiffe mit Sondermüll in Meer versenkt. Die Schiffe wurden mit Dynamit wie Torpedos auf den Meeresboden geschossen. Die Suche nach den Wracks und die rechtliche Aufarbeitung ist eine Farce und die Menschen haben kein Vertrauen in die öffentliche Ordnung mehr.
Gesammelte Links von Montag, 9. November 2009:
Ein Interview mit Thomas Heise zu seinem Film „Material“, der in diesem Jahr auf der Berlinale lief:
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Mein Eindruck war, und das ist als Erinnerung ganz stark: Wenn es nicht am nächsten Tag diese merkwürdige Meldung gegeben hätte von Schabowski, dann hätte es die nicht mehr gegeben. Die Basis der Partei hätte die Führung verabschiedet. Deswegen mußte die Mauer aufgehen. Das war die einzige Möglichkeit, noch eine Weile an der Macht zu bleiben. Die haben gedacht: Sie gewinnen damit Zeit. Indem sie Dampf aus dem Kessel lassen.
[…]
Gesammelte Links von Sonntag, 8. November 2009:
Vom 24.11. bis 17.12. läuft im Zeughauskino, Berlin, die Filmreihe “Kino der Geheimdienste”.
Gezeigt werden vor allem Filme aus dem Archiv der BStU, d.h. Stasi-Lehrfilme, Oberservationsmaterial, Propaganda, interne Feierstunden, u.a. Alles von lächerlich über absurd bis grausig. Außerdem werden an zwei Abenden geheimdienstliche Filme aus Ungarn und der (Tschecho-)Slowakei zu sehen sein. Viele der Filme waren nie zuvor auf einer Kinoleinwand zu sehen, manche werden überhaupt zum ersten Mal öffentlich vorgeführt.
Die Märkische Trilogie von Volker Koepp („Märkische Ziegel“, 1988, „Märkische Heide, Märkischer Sand“; „Märkische Gesellschaft mbH“ 1989-1991) wird am Sonntag, 19 Uhr im Maxim-Gorki-Theater gezeigt. Ich kenne die Filme nicht, aber ich kenne Koepp und sage: hingehen!
Es war von Anfang an klar, daß die Denkmalschutzbeteuerungen am Ostkreuz nur Fassade für Mediokres werden würden. Bei Spalanzani lese ich nun, daß wohl jemand die Maske fallen lassen hat und vom „modernen Einkaufsbahnhof“ spricht. Leider kann man bei Twitter nicht richtig nachfragen, wer das wohl war.
Gesammelte Links von Donnerstag, 5. November 2009:
Die Wochenzeitung über das heutige Berlin, aber auch über einen Knasteinbruch in Rummelsburg und die Geldversenkung im Rummelsburger See.

Das Festival ist aus dem Untergrund aufgetaucht und in der Stadt jetzt sehr deutlich sichtbar. Die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit hat wohl auch zum Anstieg der Besucherzahlen beigetragen — es ist jetzt richtig voll in den Kinos, aber es gibt auch mehr Filme.
Doof: teils deutlich verspätete Anfangszeiten, „weil noch Leute an der Kasse stehen“. Bei einem so engen Programm geht das nicht, da verpaßt man immer wieder die Anschlußfilme. Auch doof: diverse Pannen beim Vorführen.
Mit Kind mußte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren: Animationsprogramm leider fast völlig verpaßt.
Claas Danielsens Eröffnungsrede, für die er sich am zweiten Tag ein bißchen bei den Sponsoren entschuldigen mußte, war Thema auf den Gängen.
Schön, daß der atmosphärische Ballsaal des Lindenfels dabei ist und auch die Schaubühne (neuerdings Centraltheater) ist für eine Preisverleihung ein würdigerer Ort als das Cinestar.
Ein bißchen schwierig ist nicht erst in diesem Jahr das Hantieren mit dem Katalog und dem Programmheft, vor allem, weil die Filme im Katalog alphabetisch nach Originaltitel geordnet sind, im Programmheft jedoch nur die englischen oder deutschen Titel auftauchen.
Nächstes Jahr: 18.–24. Oktober 2010. Wir sehen uns.
Ach, Leipzig.

Ras, dwa, tri – Jolotschka, gori! (One, Two, Three – Light the New Year Tree!) (Oleg Uschinow, Rußland 2009 | 7:46 Min.)
Oje. Eine Weihnachtsgeschichte mit einem Bären, dem ein Kleinkind zuläuft, das später Snegurotschka wird und Väterchen Frost. All das aber in so penetranter russisch-nachgemachter Disney-Coke-3D-Ästhetik, daß es fast schon als ironisch durchgehen könnte. Nur geht solche Art Ironie im Kinderprogramm am Publikum vorbei.

Hokus-Pokus (Anna Samoylovich, Deutschland 2009, 4:12 Min.)
Kleine feine expressionistische Zirkusphantasie mit sehr passender Musik.

Miriami katkine pilt (Miriam’s Broken Picture) (Priit Tender, Estland 2008, 5:00 Min.) — Anima für Kinder
Die Kinder und das Huhn sind allein zuhaus, streiten sich und dann passiert etwas. Wie geht man damit um? Fein beobachtete Alltagsgeschichten mit Drive, Rhythmus und Knetanimation.

FC Murmeli (Jochen Ehmann, Dustin Rees, Schweiz 2008, 3:30 Min.) — Anima für Kinder
Ein Fußballspiel in den Bergen zwischen Murmeltieren. Sehr rasanter, rhythmischer und witziger Zeichentrick, in dem es auch unter der Erde weitergeht, der Schiedsrichter in seinem Loch etwas überfordert ist und entsprechend geholzt wird. Am Ende kommt der Geier.
Beim Kinderpublikum der deutlich beliebteste Film.

Kad aboli ripo (When Apples Roll) (Reinis Kalnaellis, Lettland 2009, 6:46 Min.)
Liebevoll gezeichnete kleine Geschichte um Annäherung und Abschied und Wärme im Winter.

Rutti Berg (Matthias Bruhn, Alexandra Schatz, Deutschland 2008, 4:00 Min.) — Anima für Kinder
„Rutti Berg, die Bäuerin, wär so gerne Königin.“ Ein Gedicht über Träume und was passiert, wenn sie in Erfüllung gehen, mit wunderschönem Schweizer Akzent gelesen, dazu liebevoll schräge Bilder. Feine Sache.

Katakombo (Michael Zamjatnins, Deutschland 2008, 7:37 Min.) — Anima für Kinder
Ein verwunschener Zeichentrickfilm, in dem ein Mädchen seinem Fisch in die Kanalisation folgt, dort einem bösen Menschen begegnet und später mit diesem gemeinsam baden geht. Schöne Ideen mit Licht und Schatten.

Glinka (The Clayboy) (Stepan Kowal, Rußland 2008, 12:42 Min.) — Anima für Kinder
Der Golem meets Der Wolf und die sieben Geißlein: Ein Töpferehepaar wünscht sich so sehr ein Kind und eines Tages verwandelt sich ein Gefäß im Ofen in einen Jungen, der aber immer mehr frißt, bis … Rasante Knetanimation mit Liebe zum Detail.

Lockerbie revisited (Gideon Levi, Niederlande 2009, 52 Min.)
Levi geht der These nach, daß bei den Ermittlungen zum Anschlag auf den Pan-Am-Flug 103 der Falsche verurteilt wurde und auch Gaddafi nicht der Hintermann war. Alternativtäter könnte die palästinensische Gruppe „Volksfront zur Befreiung Palästinas General Command — PFLP-GC“ im Auftrag des Iran sein.
Amüsant ist es, anzusehen, wie er die Aussagen der verschiedenen Ermittler (schottische Polizei, FBI, CIA) miteinander konfrontiert und mit naivem Blick und einem Handschlag den Protagonisten abverlangt, ihn nicht anzulügen. Allerdings ist es am Ende doch enttäuschend, wie er einerseits außer bekannten Indizien nicht viel zu bieten hat, sich andererseits im Film stark selbstinszeniert.

RAS Nucléaire, Rien à signaler (Nuclear NTR, Nothing to Report) (Alain De Halleux, Belgien, Frankreich 2009, 58 Min.)
In den europäischen Atomkraftwerken macht sich die Privatisierung der Energie in den Neunziger Jahren bemerkbar: für sicherheitskritische Instandhaltungsarbeiten werden immer öfter Leiharbeiter beschäftigt. Diese verdienen bei gefährlicher Schwerstarbeit 1200 bis 1500 Euro im Monat und sind als Atomnomaden in ganz Europa unterwegs. Die Konzerne haben sich von der Nullrisiko-Politik verabschiedet und arbeiten jetzt mit kalkulierten Risiken. Der Film fragt sich, ob das verantwortbar ist und ob Konzerne, die ihre Arbeiter so schlecht behandeln, die Bevölkerung besser behandeln würden.
RAS Nucléaire, Rien à signaler lebt von den sehr stimmungsvollen Interviews mit ehemaligen Arbeitern, die einen erschreckenden Einblick in den laschen Umgang mit Risiken geben. Auch die Aufnahmen der Atomkraftwerke von außen und innen sind spektakulär. Einzig der Kommentar spricht manchmal fernsehaft zu viel aus.
Interessant: In Österreich gab es 1978 ein Referendum, bei dem der Verzicht auf Atomkraft beschlossen wurde.
Die Preise wurden in diesem Jahr im Centraltheater verliehen (wer das nicht kennt: das ist das umbenannte Schauspielhaus), ein Ort, der ein bißchen mehr Glamour hat als das Neubau-Cinestar. Allerdings war es keine so gute Idee, den Preisträgern, nachdem sie auf die Bühne gekommen waren, noch einmal ihr Gesicht bei der Verkündung vorzuspielen.
Ich habe nicht alles erlebt, weil irgendwann meine Tochter keine Lust mehr hatte.
Preise bekommen haben:

Träume der Lausitz (Bernhard Sallmann, Deutschland 2009, 90 Min.) — Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm
Die Lausitz hat regelmäßig ihren eigenen Nebenschwerpunkt auf dem Leipziger Festival. Wie Peter Rocha hat auch Bernhard Sallmann seine Lausitz-Trilogie. Aber wenn man die ersten beiden Filme — „Die Freiheit der Bäume“ und „Lausitz 20X90“ — nicht kennt, kann man „Träume der Lausitz“ auch als Nachfolger zu Rochas Trilogie lesen: Rocha endet mit der Zerstörung der Landschaft durch die Braunkohle, Sallmann setzt da fort, wo die Braunkohle gegangen ist: arbeitslose Ingenieure, Restdörfler, Seenlandschaften, der Wolf kehrt zurück und durch die Internationale Bauausstellung entstehen Monumente in der Landschaft. Wie Rochas Filme auch, lebt „Träume der Lausitz“ von wunderbaren Aufnahmen der verwunschenen Lausitz gepaart mit der Musik der Natur und Technik in der Landschaft.
„Träume der Lausitz“ zeigt fünf Protagonisten — von Sallmann hinterher mit Schuberts Forellenquintett verglichen — die das Neue gestalten oder auf es warten oder es erleben. All das in einer gestalteten Landschaft, die zu neuer Form finden muß. Der Wolf steht hier nicht für die Wildnis, sondern für die Aussöhnung zwischen Mensch und Natur.
Die Lausitz träumt wieder, aber die Zukunft ist ungewiß. Die Kohle gräbt sich weiter in die verwunschene Landschaft, aber sie wird langsamer und die Leute kommen zum Nachdenken.

Milltown, Montana (Rainer Komers, Deutschland 2009, 33 min.) — Breathless — Dominance of the moment — Deutsch-tschechisches Dokumentarfilmprojekt
Eine Collage aus Milltown, Montana, einer Stadt der Arbeit, die eins prosperierte und nun stillsteht. Ein Film wie ein Musikvideo im besten Sinne: Bilder und Töne bauen einen faszinierenden Rhythmus auf, es gibt keinen Kommentar im Film. Absolut mitreißend.

Time’s up — An Experiment in Time Management (Marie-Catherine Theiler, Jan Peters, Deutschland 2009, 15 min.) — Breathless — Dominance of the moment — Deutsch-tschechisches Dokumentarfilmprojekt
Wie bekommt man die Zeit in Griff und ist dabei noch in der Lage, auf außergewöhnliches zu reagieren. „Time’s up“ vereint das, was mich an deutschen Filmen oft stört: gefällige Ironie ohne echte Themen, kindlich-bunte Farben und Berlin-Mitte-Darsteller.

Mám ráda nudný život (I Love My Boring Life) (Jan Gogola, Tschechien, Deutschland 2009, 26 min.) — Breathless — Dominance of the moment — Deutsch-tschechisches Dokumentarfilmprojekt
Wir tauchen ein in das Tagebuch von Alena Nemcová, die Radio hört, Gymnastik macht, ihre Umgebung beobachtet und überall Zusammenhänge sieht, die teils übersinnlich sind. Amüsant.
Im Breathless-Projekt sind bei einer Ausschreibung von DOK Leipzig, ZIPP deutsch-tschechische Kulturprojekte, der Kulturstiftung des Bundes sowie dem Dokumentarfilminstitut Prag sechs Dokumentarfilme zum Thema Zeit entstanden, die alle in Leipzig Premiere hatten.

Es wird einmal gewesen sein (Anca Miruna Lazarescu, Deutschland 2009, 28 min.) — Breathless — Dominance of the Moment — Deutsch-Tschechisches Dokumentarfilmprojekt
In der Burchardikirche in Halberstadt wird das längste Orgelstück aufgeführt: John Cages „As slow as possible“ wird eine Dauer von 639 Jahren haben. Seit dem Beginn im Jahr 2000 gab es bisher acht Klangwechsel auf der Orgel, die während des Stückes nach und nach aufgebaut wird. Der Film zeigt das Projekt, das über die menschlichen Vorstellungen hinausreicht, in ruhigen Bildern, die Zeit lassen, den Fragen, die das Projekt aufwirft, nachzuspüren: Was wäre denn „As slow as possible“ wirklich? Ist es egal, ob es 639 oder nur 250 Jahre sind? Wird John Cage in 300 Jahren noch als Avantgarde wahrgenommen werden? Ist es wirklich noch ein Konzert, wenn abends die Kirchentüren abgeschlossen werden und kein Publikum da ist?
Schnitt und Kamera sind dem Stück angemessen und lassen kluge Menschen zu Wort kommen, u.a. den Musiktheoretiker Heinz-Klaus Metzger, der die Aufführung mitinitiierte und der in dieser Woche verstorben ist.

Kansakunnan olohuone (The Living Room of the Nation) (Jukka Kärkkäinen, Finnland 2008, 74:00 Min.) — Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm
Die Katalogankündigung — „Aki Kaurismäki meets Ulrich Seidl“ — macht eher skeptisch und anfangs kommt auch eher der Verdacht auf, daß hier ein Episodenfilm der gefälligen Sorte gezeigt würde. Erst nach einer Weile wird klar, daß hier ernste Geschichten erzählt werden, Geschichte von Liebe, Treue, Verrat, Verzweiflung, vom Altern und vom Tode. Verschiedene Protagonisten, über ganz Finnland verteilt, leben ihr Leben vor einer fast immer stillstehenden Kamera. Die Spannung und das Drama gewinnt „Kansakunnan olohuone“ durch den Schnitt, der immer wieder überraschende Zusammenhänge herstellt.