Am Nachbartisch
Sonnabend, 6. April 2013Er scheint großes Interesse an ihr zu haben, sie wirkt indifferent. Beim Gehen: „Bist du eigentlich auch bei Facebook?” Die demütigend lange Pause vor ihrem Nein.
Er scheint großes Interesse an ihr zu haben, sie wirkt indifferent. Beim Gehen: „Bist du eigentlich auch bei Facebook?” Die demütigend lange Pause vor ihrem Nein.
Mittwoch, 13. März 2013, 17.30 – 19.30 Uhr
Thalia Grundschule, Alt-Stralau 34, 10245 Berlin
Die so genannten Durchgangsheime (D-Heime) gelten in der Forschung als die am meisten vernachlässigten Einrichtungen der DDR-Jugendhilfe. Minderjährige warteten hier oft Wochen auf eine Entscheidung über ihre weitere Unterbringung. Bewachung und Kontrolle waren dabei meist wichtiger als Verständnis für die Kinder und Jugendlichen.
Vermeintliche Fürsorge wurde viel zu oft zur Repression. Lebensläufe ehemaliger Heimkinder bezeugen neben den schwierigen Erfahrungen jedoch auch den Mut und die Kraft junger Menschen, sich zu behaupten.
Im Gebäude des ehemaligen Durchgangsheims Alt-Stralau befindet sich heute die Thalia Grundschule. Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie die interessierte Öffentlichkeit sind eingeladen, am historischen Ort Berichte von Zeitzeugen zu hören und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Podiumsgespräch:
Moderation: Elena Demke (Referentin beim Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen)
Veranstaltet vom Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Kooperation mit der Thalia Grundschule
Zum gleichen Thema: Ulrike Poppe über ihre Zeit als Erzieherin im Stralauer Durchgangsheim
Friedrichstraße, Stadtbahnsteig. Ich löffle ein Eis und warte auf die S-Bahn. Eine wohl magersüchtige Frau steckt sich eine Zigarette an. Ich schaue und frage mich, warum sie so achtlos mit ihrem Körper umgeht. Sie mustert mich abschätzig. So sehen wir uns unfreundlich an, bis mir auffällt, was sie sieht: einen dicken eisessenden Mann. Und sie fragt sich, warum er so achtlos mit seinem Körper umgeht. Normalenterror. Ich muß lächeln.

Es ist das dritte Jahr in Folge, daß der See zugefroren ist. Vorher passierte das nur ungefähr aller drei Jahre. In der Zeitung schreiben sie, daß auch die harten Winter eine Folge des Klimawandels sind.
Das sehr große Baugebiet an der Mole (Ostkreuz/Rummelsburger Bucht) wird neugeplant. Leider hat das Bezirksamt Lichtenberg sich für einen Entwurf entschieden, ohne auf den Bürgerwillen einzugehen. Heute soll darüber diskutiert werden und ein Grundstein für einen Alternativentwurf gelegt werden:
Bürgerversammlung
19.00 Uhr
in der Aula des Oberstufenzentrums Marktstraße 2–3, 10317 Berlin-Rummelsburg
[…]
Klar, ich kann der NPD vorwerfen, dass sie Kinderfeste in Mecklenburg veranstaltet und die Kinder an sich gewöhnt, nur: Wenn ich selbst keine veranstalte, dann wird sie dieses Terrain besetzen. Wenn in einer Berliner Grundschule wie in Müggelheim damit geworben wird, dass „die Sozialstruktur sehr homogen“ ist und nur „wenige Kinder einen ausländischen Pass“ haben, kommt man dem Problem näher.
Im internationalen Vergleich waren deutsche Städte immer sicher und frei von Slums. Das war die unmittelbare Folge einer großzügigen Wohnungsbauförderung, die wir uns Jahrzehnte lang geleistet haben. Wenn wir jetzt meinen, am Wohnungsbau sparen zu müssen, ist die Entstehung von Ghettos in unseren Städten vorprogrammiert. Und wenn die Finanzminister dafür die Folgekosten zu bezahlen haben, werden sie ihre Vorgänger verfluchen, also diejenigen, die heute an der Wohnungsbaupolitik sparen.
Mein Opa nannte es „Erziehung durch Beschämung“, wenn er uns statt Strafe Süßigkeiten gab.
Marcus Jauer schreibt über den klassischen Umtauschbetrug kurz vor der Währungsunion, in der Druckausgabe vom Wochenende hieß der Text noch einfach „Danke!“
Eine jener Taufen, bei denen die Angehörigen die Liturgie nicht mehr kennen. Die Paten lesen den Taufbefehl (Mt. 28) in einer Form, in der in Vers 16 von den „Jüngerinnen und Jüngern“ die Rede ist, die sich zum Berg aufmachen. Ich vermute, daß der Text aus der „Bibel in gerechter Sprache“ (gibt’s nicht online) stammt, die leider häufig über zu viel Gerechtigkeit die Sprache vernachlässigt.
Abgesehen davon, daß die „-innen und“-Form sprachliche Blähung ist und auf Verwechslung von grammatischem mit biologischem Geschlecht beruht, waren die elf übriggebliebenen Jünger ja wirklich Männer. Hier noch Jüngerinnen hinzuzuerfinden ist unhistorisch. Das kann man ungerecht finden oder aber Ausdruck der damaligen Zeit. Aber alles was heute anders ist (oder sein soll), weichzuspülen und zu verstecken, macht mich unmündig. Vielleicht reicht es, sich einfach daran zu erinnern, daß auch die Bibel von Menschen geschrieben worden ist.
Dieses Jahr wegen der Kinder etwas kürzer als sonst, aber nun endlich doch nach Leipzig zur Dokfilmwoche. Die elektrische Programmübersicht ist leider unübersichtlich wie immer, sonst herrscht Freude und Hoffnung auf eineinhalb Tage großes Kino!
… es ist ja schön, daß es auf Deinen Seiten nicht mehr wie 1995 aussieht. Daß ich als Abonnent keinen Zugriff auf die Texte der aktuellen Druckausgabe mehr habe, ist schade, aber das könnt Ihr vielleicht verschmerzen. Und auf dem N8 läßt sich die winzige Schrift von FAZ-mobil nicht vergrößern. Doch wer testet schon noch auf Symbian-Geräten.
Aber daß alle Links zu Artikeln von vor dem 3. Oktober jetzt kaputt sind, ist schon echt mutig.
… der Mensch ist nicht die Schwachstelle. Und wenn immer wieder Fahrradfahrer durch rechtsabbiegende Autos ums Leben kommen, dann sollte langsam klarwerden, daß Sonderregeln nichts bringen und Fahrradfahrer weder auf Radwegen noch auf Sonderstreifen, sondern schlicht auf der Straße am sichersten sind.
Aber dann wird auch die ständige Forderung des Verbandes nach mehr Geld für den Fahrradverkehr sinnlos.
Erinnerung der Grünen an ihr Wahlversprechen: Demonstration vor der Landesdelegiertenkonferenz, die die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen beschließen soll gegen die Verlängerung der Stadtautobahn.
Treffen diesen Freitag 16.15 Uhr vor dem Konzertsaal der Hochschule Universität der Künste, Bundesallee 1-2.
Die kurzen Momente des Atemholens: bevor der Kleine Hunger hat oder die Große vom Mittagsschlaf erwacht, am Fenster sitzen, das schräg auf die Straße geht, Zeitung lesen, Deutschlandfunk hören und der Herbstsonne auf der Fassade zuschauen. Erwachsenendinge tun.
In der ganzen Straße sind zwar die historischen Fassaden wiederhergestellt worden, allerdings hat man alles mit einem plumpen Rauhputz überzogen — diesen hätten sich die Putti zur Bauzeit wohl nicht träumen lassen.
Der außer der Reihe am Freitagabend ausgestrahlte „Polizeiruf 110: Denn sie wissen nicht, was sie tun“ ist ein sehr gutes Stück deutsches Fernsehen: packend, rhythmisch, mit anrührender Kamera und einem großartigen Matthias Brandt. Sehr ärgerlich ist die Begründung für die Verschiebung auf den späten Abend aus Jugendschutzgründen: brutalere Bilder gab es schon in einigen anderen Sonntagabendfilmen. Der andere angegebene Grund, daß der Staat komplett versagt und es keine klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse gibt, spielt deutlich in die Hände derer, die bei Jugendschutz immer gleich Zensur schreien: Im Film gibt es Kompetenzstreitigkeiten zwischen Münchner Polizei, LKA und Verfassungsschutz. Ein paar Dinge werden unter den Teppich gekehrt und der Anschlag, der hätte verhindert werden können, am Ende Al-Kaida in die Schuhe geschoben. Es gibt einen Innenminister und seinen Staatssekretär, denen die öffentliche Meinung wichtiger als die Kriminalitätsverhinderung ist.
Es sieht so aus, als hätten sich SPD und Grüne auf eine stille Beerdigung der A100 geeinigt. Schön! Liquid Democracy hin oder her, aber etwas Haltung in dieser Frage hätte der Piratenpartei gutgetan. So kann man nur froh sein, daß es am Ende doch noch für Rot-Grün gereicht hat.
Inhaltlich nichts neues, aber ein paar neue Bilder und ganz hübsch erzählt.
Teil eins:
Teil zwei:
Teil drei:
Nonsense ist kein deutsches Wort. Deutsche Übersetzungen des englischen nonsense (nach dict.leo.org):
Sie wurden belehrt.
Gestern hat unsere Tochter einen kleinen Bruder bekommen.
Auf dem Krankenhausflur ein Paar, er ein Schrank von einem Mann, tätowiert, T-Shirt mit dem in Neonazikreisen beliebten Spruch der WK-2-Fallschirmjäger „Klagt nicht, kämpft“. Auf der Geburtsstation urst komisch.
Eine Geburt ist ein so schwieriger und erstaunlich fragiler Prozeß, daß man sich fragt, warum es die Menschheit überhaupt noch gibt.
Das Krankenhaus Friedrichshain wird von alten Leuten die Knochenburg genannt. Auch Paula hat dort die Geburt ihres dritten Kindes nicht überlebt. Aber Paula ist Legende und außerdem ist dort jetzt alles neu und so ist unsere erste Tochter in Friedrichshain zur Welt gekommen — keine gute Idee (zumindest die Kinderintensivstation).
Nun also St. Joseph in Tempelhof — ein Unterschied wie Tag und Nacht. Man hat Zeit, es gibt keine Sinnlosbehandlungen, nur weil die Technik dafür vorhanden ist. Dafür gibt es Ansprache. Der Krankenhausrhythmus tritt zurück und wir werden als Individuen behandelt.
Mein kleiner Bruder macht schöne Sachen. Zum Beispiel Features zum Studiengang Nachrichtenmelodik:

[…]
Du bewohnst einen winzigen Ausschnitt von Welt; kauerst gewissermaßen in deiner Hundehütte und wartest auf den Knochen, den man dir täglich hinwirft. Dein Leben ist intensivst wie eindeutig geprägt von dem Verlangen, siegen- und rechthaben zu wollen. Dabei hast du noch gar nicht begriffen, daß in diesem Leben niemand einen Sieg davontragen kann. Der einzige Sieger ist der Gott der Zeit, der deine Hütte in eine Ruine verwandeln und auf deinen Namen Sand und Asche streuen wird. Der Fürst der Welt wird am Ende ein weinender Greis sein. Christus hat die vollständige Überwindung eines Denkens, welches in den Kategorien von Sieg und Niederlage sich bewegt, angekündigt und vorgelebt. Die Nacht ist empfindlich kühl. Mein Weg führt durch ein Europa des Geistes. Ich setze mich ans Schachbrett mit dem festen Willen, unbedingt eine Niederlage davonzutragen. In der Niederlage webt jene Schönheit der Schlange, die im Ried sich verbirgt. Man muß verlieren wollen; unbedingt verlieren wollen.
[…]
[…]
War alles anders, früher. Auch besser. Aber nicht nur. Wir wohnten in direkter Nachbarschaft zum Messegelände, in einer jämmerlich kleinen Wohnung, vier Personen, zweieinhalb Zimmer, Klo eine Treppe tiefer. Zudem war die Mutter meines Vaters in den Westen gegangen, als Zeugin Jehovas. Also bekamen wir auf Grund unserer fehlenden politischen Zuverlässigkeit niemals Messegäste, diese sehnsüchtig erwarteten goldenen Kälber aus dem Westen. Noch nicht mal welche aus Ost-Berlin […]
[…]
In Hörweite der Baustelle werfe ich die Jacke in die Uferböschung, setze mich, und warte auf Züge. Mehrere kurze Personenzüge rauschen vorbei, dann, später, endlich, ein langer Güterzug. Ich verstehe jetzt die besondere Akustik dieser Brücke: Die Stahltrogkonstruktion. Der Donner ist betäubend, rund, vollständig, füllt den Wald und den Fluß, verschlingt für Augenblicke jede andere Gegenwart, und wie ein Auftauchen aus Taubheit kehrt sie dann zurück aus dem Geräusch. Der Donner der Innbrücke bei Mühldorf ist jede Reise wert, selbst die Baustelle und die Flugzeuge sind unwesentliche Störungen. Und man muß auf Güterzüge warten, nur die Güterzüge sind lange und schwer genug für den Effekt, und man muß geduldig sein, häufig fahren sie nicht.
[…]
Bis in die Details der Animationen hinein vom Kunstprojekt European Border Watch inspiriert. Schade, daß es weder im Abspann noch auf den Webseiten einen Hinweis dazu gibt.
„RAS Nucléaire, Rien à signaler“, ein Film, in dem Wanderarbeiter zu Wort kommen, die die europäischen Kernkraftwerke zu lächerlichen Löhnen instandhalten, lief auf der Dok Leipzig 2009.
Zur Zeit kann man ihn unter dem deutschen Titel „Alles im Griff?“ in der Arte-Mediathek sehen.

Wie man vielleicht bemerkt hat, ist hier gerade sehr viel los — sehr Erfreuliches und sehr Unerfreuliches, das aber alles nicht der Erwähnung wert wäre. So kommt es, daß hier nicht viel zu lesen ist.
Eines hat sich nun aber erledigt: wir haben endlich eine Wohnung gefunden, sogar in Stralau, so daß wir — was wir gar nicht mehr erwartet hatten — bleiben können.
Danke für eure Hilfe!
Nach zehn Jahren höre ich Radio eins: es hat sich gar nichts geändert, selbst die Musik hätte man damals schon mitsingen können.
… stattdessen wünsche ich mir, daß die S-Bahn wieder fährt.
Im Potsdamer Abkommen wurde unter anderem festgelegt, daß die später DDR-eigene Deutsche Reichsbahn die West-Berliner Eisenbahnlinien betreibt, einschließlich der West-Berliner S-Bahn-Linien. Nach dem Mauerbau wurde dann in West-Berlin der S-Bahn-Boykott ausgerufen („Der S-Bahn-Fahrer zahlt den Stacheldraht“). Zunächst wurden Buslinien entlang der S-Bahn eingerichtet und später sogar parallele U-Bahn-Linien gebaut. Die S-Bahn verlor viele Fahrgäste und verfiel immer mehr.
Renate von Mangoldt hat die verwunschenen Bahnhöfe in den Siebziger Jahren fotografiert, die Fotos sind noch bis zum 25. Januar in der Kunststiftung Poll (Gipsstraße 3) zu sehen, sie sind in einem Buch mit einem Text von Uwe Johnson erschienen und beim Tagesspiegel gibt es einige schöne Fotos zu sehen.